Agri-Photovoltaik: Wenn Landwirtschaft und Solarenergie auf derselben Fläche wachsen

📅 17. April 2026 ✎ PVplus Team 🕑 6 Min. Lesezeit Technologie
Land ist wertvoll – vor allem in Österreich. Agri-Photovoltaik löst den vermeintlichen Konflikt zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energieerzeugung: Landwirtschaft und Solarstrom auf derselben Fläche, ohne dass eines dem anderen weichen muss. Was das konkret bedeutet und für wen es sich lohnt, erklären wir in diesem Beitrag.

Was ist Agri-Photovoltaik?

Bei der Agri-Photovoltaik (kurz: Agri-PV) werden PV-Module so auf landwirtschaftlichen Flächen installiert, dass die Fläche darunter oder daneben weiterhin bewirtschaftet werden kann. Der Hauptertrag kommt aus der Landwirtschaft – die Stromerzeugung ist der Bonus. Es geht also nicht darum, Ackerland in Solarparks zu verwandeln, sondern um eine intelligente Doppelnutzung.

Die häufigsten Varianten sind hoch aufgeständerte Systeme (Module auf mehreren Metern Höhe, darunter wird angebaut), vertikale Zaun-Aufständerungen (bifaziale Module als Einzäunung entlang der Felder) und bodennahe Systeme mit ausreichend Reihenabstand für Bewirtschaftung.

Die Zahlen sprechen für sich

90 TWh Potenzial in Österreich
max. 15 % Ernteertrags-Reduktion
35–60 % Stromertrag vs. Freifläche
5 % Flächenbedarf für PV-Ziele

Eine aktuelle Studie zeigt: Österreich könnte durch Agri-PV bis zu 90 Terawattstunden Strom erzeugen. Dafür wären nur rund 5 % der landwirtschaftlichen Produktionsfläche nötig. Der Ernteertrag reduziert sich bei passender Kulturwahl um maximal 15 % – während gleichzeitig 35 bis 60 % des Stromertrags einer klassischen Freiflächen-PV-Anlage erzielt werden.

Warum Agri-PV gerade jetzt interessant wird

Drei Entwicklungen treiben das Thema:

Erstens: Flächen werden knapper. Nicht jedes Unternehmen hat ein geeignetes Dach. Und klassische Freiflächen-PV steht zunehmend in der Kritik wegen Flächenversiegelung. Agri-PV umgeht dieses Problem, weil die Fläche landwirtschaftlich nutzbar bleibt.

Zweitens: Die Technologie ist ausgereift. Bifaziale Module, die Sonnenlicht von beiden Seiten verwerten, liefern gerade in vertikaler Zaun-Aufstellung überraschend gute Erträge – vor allem morgens und abends, wenn die Sonne flach steht. Im Winter kann sogar reflektiertes Schneelicht die Produktion steigern.

Drittens: Die Förderung steht. Agri-PV-Anlagen sind über den EAG-Investitionszuschuss förderfähig. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen definieren klare Anforderungen: mindestens 80 cm Bodenabstand und mindestens zwei Meter Reihenabstand für die maschinelle Bewirtschaftung.

Welche Vorteile bietet Agri-PV?

Doppelte Flächennutzung

Strom erzeugen und gleichzeitig wirtschaften – auf derselben Fläche. Kein Entweder-oder, kein Flächenverlust.

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Zusätzliche Einnahmequelle

Landwirte und Unternehmen erzielen neben dem Agrarertrag laufende Einnahmen aus Stromproduktion oder -einspeisung.

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Schutz der Kulturen

Module spenden Schatten und schützen vor Hagel, Starkregen und Austrocknung – ein Vorteil, der mit dem Klimawandel an Bedeutung gewinnt.

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Besseres Erzeugungsprofil

Vertikale Systeme liefern vor allem morgens und abends Strom – genau dann, wenn der Bedarf in Betrieben am höchsten ist.

Agri-PV vs. klassische Freifläche: Der Vergleich

Kriterium Klassische Freiflächen-PV Agri-Photovoltaik
Flächennutzung Rein solar Doppelt: Landwirtschaft + Solar
Akzeptanz Zunehmend umstritten Hoch, da keine Versiegelung
Stromertrag 100 % (Referenz) 35–60 % des Referenzwerts
Agrarertrag Entfällt 85–100 % erhalten
Genehmigung Oft schwierig (Widmung) Erleichtert durch Doppelnutzung
EAG-Förderung Ja Ja

Aus der Praxis: Unser Agri-PV-Projekt in Salzburg

Agri-PV ist für uns bei PVplus kein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis. In Salzburg haben wir eines der spannendsten Agri-PV-Projekte Österreichs umgesetzt:

Referenzprojekt

Agri-Photovoltaik – Salzburg

Zaun-Aufständerung mit bifazialen rahmenlosen Modulen. Die vertikale Montage ermöglicht die volle Bewirtschaftung der Fläche bei gleichzeitiger Stromerzeugung von beiden Modulseiten.

1,6 MWp Leistung
2023–24 Baujahr

Mit 1,6 MWp ist die Anlage ein Vorzeigeprojekt für die Machbarkeit großer Agri-PV-Installationen in Österreich. Die bifazialen Module nutzen das Licht von beiden Seiten und erzielen gerade in den Übergangsmonaten und bei Schneereflektion im Winter überdurchschnittliche Erträge.

Für wen eignet sich Agri-PV?
Agri-PV ist besonders interessant für landwirtschaftliche Betriebe mit großen Flächen, Unternehmen mit eigenem Grünland, und Energiegenossenschaften, die Projekte regional umsetzen wollen. Auch für Kommunen, die erneuerbare Energie ausbauen möchten, ohne Flächen zu versiegeln, ist das Modell attraktiv.

Was ihr bei der Planung beachten solltet

Flächeneignung: Nicht jede landwirtschaftliche Fläche ist gleich gut geeignet. Ausrichtung, Hangneigung, Bodenqualität und die angebauten Kulturen spielen eine Rolle. Eine Voranalyse ist unerlässlich.

Gesetzliche Anforderungen: Das EAG definiert klare Parameter – unter anderem Mindestabstände zum Boden (80 cm) und zwischen den Modulreihen (2 m). Für innovative Systeme gelten teilweise Ausnahmen, die den Gestaltungsspielraum erweitern.

Netzanschluss: Gerade bei größeren Anlagen auf dem Land kann der Netzanschluss eine Herausforderung sein. Frühzeitige Abstimmung mit dem Netzbetreiber spart Zeit und Kosten.

Förderung: Agri-PV-Anlagen sind über den EAG-Investitionszuschuss förderfähig. Der nächste Fördercall startet am 23. April 2026 – die ideale Gelegenheit, ein Projekt einzureichen.

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