Agri-Photovoltaik: Wenn Landwirtschaft und Solarenergie auf derselben Fläche wachsen
Was ist Agri-Photovoltaik?
Bei der Agri-Photovoltaik (kurz: Agri-PV) werden PV-Module so auf landwirtschaftlichen Flächen installiert, dass die Fläche darunter oder daneben weiterhin bewirtschaftet werden kann. Der Hauptertrag kommt aus der Landwirtschaft – die Stromerzeugung ist der Bonus. Es geht also nicht darum, Ackerland in Solarparks zu verwandeln, sondern um eine intelligente Doppelnutzung.
Die häufigsten Varianten sind hoch aufgeständerte Systeme (Module auf mehreren Metern Höhe, darunter wird angebaut), vertikale Zaun-Aufständerungen (bifaziale Module als Einzäunung entlang der Felder) und bodennahe Systeme mit ausreichend Reihenabstand für Bewirtschaftung.
Die Zahlen sprechen für sich
Eine aktuelle Studie zeigt: Österreich könnte durch Agri-PV bis zu 90 Terawattstunden Strom erzeugen. Dafür wären nur rund 5 % der landwirtschaftlichen Produktionsfläche nötig. Der Ernteertrag reduziert sich bei passender Kulturwahl um maximal 15 % – während gleichzeitig 35 bis 60 % des Stromertrags einer klassischen Freiflächen-PV-Anlage erzielt werden.
Warum Agri-PV gerade jetzt interessant wird
Drei Entwicklungen treiben das Thema:
Erstens: Flächen werden knapper. Nicht jedes Unternehmen hat ein geeignetes Dach. Und klassische Freiflächen-PV steht zunehmend in der Kritik wegen Flächenversiegelung. Agri-PV umgeht dieses Problem, weil die Fläche landwirtschaftlich nutzbar bleibt.
Zweitens: Die Technologie ist ausgereift. Bifaziale Module, die Sonnenlicht von beiden Seiten verwerten, liefern gerade in vertikaler Zaun-Aufstellung überraschend gute Erträge – vor allem morgens und abends, wenn die Sonne flach steht. Im Winter kann sogar reflektiertes Schneelicht die Produktion steigern.
Drittens: Die Förderung steht. Agri-PV-Anlagen sind über den EAG-Investitionszuschuss förderfähig. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen definieren klare Anforderungen: mindestens 80 cm Bodenabstand und mindestens zwei Meter Reihenabstand für die maschinelle Bewirtschaftung.
Welche Vorteile bietet Agri-PV?
Doppelte Flächennutzung
Strom erzeugen und gleichzeitig wirtschaften – auf derselben Fläche. Kein Entweder-oder, kein Flächenverlust.
Zusätzliche Einnahmequelle
Landwirte und Unternehmen erzielen neben dem Agrarertrag laufende Einnahmen aus Stromproduktion oder -einspeisung.
Schutz der Kulturen
Module spenden Schatten und schützen vor Hagel, Starkregen und Austrocknung – ein Vorteil, der mit dem Klimawandel an Bedeutung gewinnt.
Besseres Erzeugungsprofil
Vertikale Systeme liefern vor allem morgens und abends Strom – genau dann, wenn der Bedarf in Betrieben am höchsten ist.
Agri-PV vs. klassische Freifläche: Der Vergleich
| Kriterium | Klassische Freiflächen-PV | Agri-Photovoltaik |
|---|---|---|
| Flächennutzung | Rein solar | Doppelt: Landwirtschaft + Solar |
| Akzeptanz | Zunehmend umstritten | Hoch, da keine Versiegelung |
| Stromertrag | 100 % (Referenz) | 35–60 % des Referenzwerts |
| Agrarertrag | Entfällt | 85–100 % erhalten |
| Genehmigung | Oft schwierig (Widmung) | Erleichtert durch Doppelnutzung |
| EAG-Förderung | Ja | Ja |
Aus der Praxis: Unser Agri-PV-Projekt in Salzburg
Agri-PV ist für uns bei PVplus kein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis. In Salzburg haben wir eines der spannendsten Agri-PV-Projekte Österreichs umgesetzt:
Agri-Photovoltaik – Salzburg
Zaun-Aufständerung mit bifazialen rahmenlosen Modulen. Die vertikale Montage ermöglicht die volle Bewirtschaftung der Fläche bei gleichzeitiger Stromerzeugung von beiden Modulseiten.
Mit 1,6 MWp ist die Anlage ein Vorzeigeprojekt für die Machbarkeit großer Agri-PV-Installationen in Österreich. Die bifazialen Module nutzen das Licht von beiden Seiten und erzielen gerade in den Übergangsmonaten und bei Schneereflektion im Winter überdurchschnittliche Erträge.
Was ihr bei der Planung beachten solltet
Flächeneignung: Nicht jede landwirtschaftliche Fläche ist gleich gut geeignet. Ausrichtung, Hangneigung, Bodenqualität und die angebauten Kulturen spielen eine Rolle. Eine Voranalyse ist unerlässlich.
Gesetzliche Anforderungen: Das EAG definiert klare Parameter – unter anderem Mindestabstände zum Boden (80 cm) und zwischen den Modulreihen (2 m). Für innovative Systeme gelten teilweise Ausnahmen, die den Gestaltungsspielraum erweitern.
Netzanschluss: Gerade bei größeren Anlagen auf dem Land kann der Netzanschluss eine Herausforderung sein. Frühzeitige Abstimmung mit dem Netzbetreiber spart Zeit und Kosten.
Förderung: Agri-PV-Anlagen sind über den EAG-Investitionszuschuss förderfähig. Der nächste Fördercall startet am 23. April 2026 – die ideale Gelegenheit, ein Projekt einzureichen.
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